Avacon AG – Ein Unternehmen voller Energie

Von Hans-Martin Barthold | 15. Mai 2014

Magdeburg im Jahr 2013. Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt erlebt das schlimmste Hochwasser seit Menschengedenken. Die Deiche der Elbe haben sich vollgesogen wie ein nasser Schwamm und drohen zu brechen. Dann würden große Teile der Stadt überflutet mit unabsehbaren Schäden. Die Helfer arbeiten an der Stabilisierung der Deiche bis zur Erschöpfung und oft darüber hinaus. Jede Hand wird jetzt gebraucht. Angesichts dieser Notlage entscheidet die Ausbildungsleitung der Avacon AG spontan: Wir helfen. Einer der Helfer ist Christian Handel, Auszubildender zum Elektroniker für Betriebstechnik. Am Ende des Tages haben er und die anderen Avacon-Azubis 35 Tonnen Sand in knapp 5.000 Sandsäcke abgefüllt. Dass die Deiche hielten, ist somit auch ihr Verdienst.

Höhenluft auf dem Energie-Highway (Foto: Avacon)

Höhenluft auf dem Energie-Highway (Foto: Avacon)

Was den Einsatzleiter vom Katastrophenschutz in Magdeburg in jenen Tagen besonders beeindruckt, sind die Umsicht, Einsatzbereitschaft und Selbständigkeit der jungen Avacon-Leute. Axel Langner, Leiter der technischen Ausbildung, ist darauf stolz. Überrascht aber hat es ihn nicht. Schließlich sind es genau die Eigenschaften, nach denen er bei Bewerbern um eine Ausbildungsstelle oder ein duales Studium sucht. „Als einer der größten regionalen Energieversorger stellen wir dezentral Infrastruktur auf einer Fläche von mehr als 22.000 km² zur Verfügung“, sagt er. „Da brauchen wir Mitarbeiter, die sich auch schon mal ohne Meister zu helfen wissen und bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.“ So wie es Christian Handel ganz selbstverständlich beim Hochwassereinsatz in Magdeburg tat.

Die Durchlässigkeit der Energiehighways sicherstellen

Ganz neu war die Situation in diesem Katastropheneinsatz für die Auszubildenden deshalb auch nicht. Erst vor kurzem hat Handels Ausbildungsteam eine Kostprobe ihres Leistungsvermögens abgegeben. Unter der Anleitung erfahrener Kollegen galt es, auf den drei Meter breiten Auslegern von Mittelspannungsmasten Isolatoren zu wechseln. Weil schweres Gerät nicht eingesetzt werden konnte, hieß es, nur mit einer Leiter auf die zehn Meter hohen Masten zu steigen. Da muss jeder Griff und jeder Fußtritt sitzen, denn nur ein falscher Schritt könnte bereits den Absturz bedeuten. Handfest müssen die Elektroniker für Betriebstechnik deshalb sein, mit Werkzeug sollten sie umzugehen wissen.

Christian Handel: Auszubildender Elektroniker für Betriebstechnik (Foto: Avacon)

Christian Handel: Auszubildender Elektroniker für Betriebstechnik (Foto: Avacon)

Avacon ist ein klassisches Energieversorgungsunternehmen. „Wir stellen sicher, dass es auf den Energiehighways keinen Stau gibt“, beschreibt Axel Langner die Aufgabe der 1.700 Mitarbeiter von Avacon, darunter 180 Azubis. Und in der Tat erwarten die über zwei Millionen Menschen, die Avacon über 645.000 Stromhausanschlüsse und 310.000 Gashausanschlüsse beliefert, dass der Strom jederzeit zuverlässig aus der Steckdose und das Erdgas aus der Leitung kommt. Für deren Transport unterhält das Helmstedter Unternehmen deshalb über 55.000 Kilometer Hoch-, Mittel- und Niederspannungsleitungen. Die Rohre des Gasnetzes sind mehr als 20.000 Kilometer lang. In einigen Regionen ist Avacon zusätzlich für die Wasser und/oder Fernwärmeversorgung zuständig.

Großer Bedarf an Elektronikern für Betriebstechnik

Als Ausdruck seiner regionalen Verankerung verweist das zum E.ON-Konzern gehörige Unternehmen gerne auf die Struktur seiner Aktionäre. Über ein Drittel aller Besitzanteile befinden sich in der Hand von Kommunen und Landkreisen, achtzig insgesamt. Zur Wartung und Störungsbeseitigung unterhält Avacon 15 Standorte in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Diese Regionalisierung schlägt sich erwartungsgemäß auch in der Personalauswahl nieder. „Wir suchen Auszubildende aus der Region für die Region“, formuliert es Axel Langner. Für Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten, die Beseitigung von Störungen sowie den Ausbau der Netze als den personalintensivsten Aufgaben werden vor allem Elektroniker für Betriebstechnik gesucht. Achtzig Prozent aller Ausbildungsplätze entfallen deshalb auf diesen Beruf. Die Ausbildung der Elektroniker erfolgt an den Standorten Krottorf bei Oschersleben, Laatzen, Lüneburg und Nienburg.

Die Avacon-Zentrale in Helmstedt (Foto: Avacon)

Die Avacon-Zentrale in Helmstedt (Foto: Avacon)

Die Zeugnisse der zukünftigen Elektroniker sollten ein möglichst ungestörtes Verhältnis zur Mathematik und Physik erkennen lassen. Eine Vier in diesen Fächern sei zwar kein Ausschlussgrund, bemerkt der Ausbildungsleiter, „doch tun wir niemandem einen Gefallen, wenn wir ihn in diesen Fächern ständig überfordern müssen.“ Deshalb wird beim Auswahlverfahren hier genau hingeschaut. Handwerkliche Vorkenntnisse sind zwar keine unabdingbare Vorbedingung, wer allerdings schon einmal bei der Renovierung des elterlichen Hauses mitgeholfen hat, empfiehlt sich besonders. Bleibt schließlich als Letztes eine robuste Gesundheit. Große Teile der Arbeit erfolgen im Freien und sind körperlich anspruchsvoll. Als Lohn winken Arbeitstage, wo keiner dem anderen gleicht. Routine kennen bei einem Energieversorger nur die Kunden mit der allzeit verlässlichen Verfügbarkeit von Strom und Gas. Genau dafür braucht es flexible Mitarbeiter.

Viele Wege führen zu Avacon

Die dualen Studenten des Studiengangs Elektro- und Informationstechnik, Fachrichtung Energieversorgung erlernen in den fünf Ausbildungsjahren parallel zu ihrem Studium an der Hochschule Hannover ebenfalls den Beruf des Elektronikers für Betriebstechnik. Ohne zusätzlichen Beruf, doch mit einem genauso großen Praxisanteil erlernen die Studenten des dualen Studiums Maschinenbau, Fachrichtung Energie- und Anlagensysteme ihr Handwerk über vier Jahre an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg. Die Praxisphasen finden bei allen Studiengängen an verschiedenen Standorten im gesamten Unternehmen statt. Nach erfolgreichem Studienabschluss finden die Absolventen der technischen Fachrichtungen ihren beruflichen Ansatz ebenso wie die Absolventen externer Studiengänge insbesondere in der Planung, Berechnung und Steuerung von Netzanschlussprozessen, aber auch bei technischen Fragen der Netznutzung und gegebenenfalls Kapazitätserweiterung.

Frau und Technik: Da passt alles! (Foto: Avacon)

Frau und Technik: Da passt alles! (Foto: Avacon)

Die drastischen Konsequenzen der angestrebten Energiewende für Unternehmen wie Avacon werden vor allem durch die vielfältige dezentrale Einspeisung (Photovoltaik, Windkraftanlagen) in die Netze sichtbar. „Aus unseren Versorgungsnetzen werden immer stärker Entsorgungsnetze“, erklärt Langner die damit verbundene Entwicklung. Und macht es an einem Beispiel deutlich.  „Stellen sie sich vor, über die Autobahn fahren nun nicht mehr nur Lastzüge mit vierzig Tonnen Gesamtgewicht, sondern Sechzigtonner bei einer Verdoppelung der Anschlussstellen. Da müssen sich die Straßenbauer etwas einfallen lassen. So ähnlich ist die Situation auch für uns.“ Konkret heißt das, der Lastfluss verändert sich ebenso wie die Steuerungszyklen. Einfach zusätzliche neue Leitungen legen, wie in der Vergangenheit praktiziert, so Langner, scheide freilich wegen des dadurch steigenden Instandhaltungsaufwandes und der damit wachsender Kosten aus.

Innovative Ideen für die Energiewende

Weil es die klassischen Stromnetze also nicht mehr gibt, sind intelligente Lösungen gefragt. Avacon hat darauf inzwischen mit der innovativen Entwicklung eines regelbaren Netzwerktransformators geantwortet und diesen bereits erfolgreich getestet. Nun erfolgt dessen schrittweise Implementierung in die Netze. „Deshalb suchen wir junge Menschen, die mit wachen Augen durch die Welt gehen, die Teamplayer sind und Verantwortung übernehmen wollen“, formuliert der Ausbildungsleiter wichtige Eigenschaften, die er von Bewerbern um eine Ausbildungsstelle oder einen dualen Studienplatz erwartet.

Die Avacon-Azubis beherrschen modernste Technologie (Foto: Avacon)

Die Avacon-Azubis beherrschen modernste Technologie (Foto: Avacon)

Mit der erfolgreich abgeschlossenen Ausbildung ist für die Elektroniker die Zeit des Lernens allerdings noch lange nicht vorbei. Nach einer einjährigen Berufserfahrung beginnt die Weiterbildung zum Netzmonteur, der später sowohl in den Strom- als auch den Gasnetzen tätig werden kann. Mit Inhalten wie der Steuerungs- und Regelungstechnik, der Strömungslehre, dem Metall- und Kunststoffschweißen tritt erneut nachhaltig die Physik auf den (Lehr)Plan. Dem schließt sich noch einmal Praxiserfahrung in beiden Netzwerksparten des späteren Einsatzgebietes an. „Diese Netzerfahrung ist wichtig“, erklärt Axel Langner.

Breites Fachwissen und genaue Ortskenntnisse

Tatsächlich benötigt jeder Netzmonteur genaueste Kenntnisse über die verbauten Schalter und Ventile seines Bezirkes, die Übergänge in den nächsten Abschnitt etc., genaue Ortskenntnis eben. Bis zur vollen Einsatzfähigkeit im Störungsdienst vergehen damit nicht weniger als sieben Jahre. Viele Elektroniker finden in der Funktion des Netzmonteurs ihre berufliche Erfüllung. Einige streben noch die Meisterqualifikation an. Auch das unterstützt Avacon. Ebenso wie das Unternehmen Schüler herzlich einlädt, in einem Praktikum zu schauen, ob die Arbeit bei einem Energieversorger für sie eine berufliche Perspektive werden könnte. Und klar ist allemal, ohne eine moderne Energieversorgung gibt es keinen nachhaltigen Umweltschutz.

Aufstieg voller Energie (Foto: Avacon)

Aufstieg voller Energie (Foto: Avacon)

Auch in kaufmännischen Berufen bietet der Energieversorger Avacon Ausbildungsplätze an. Die Ausbildung der Industriekaufleute, die vor allem in der Material- und Personalwirtschaft, der Energie- und Wasserabrechnung, der Betriebs- und Finanzbuchhaltung, der Kostenrechnung, dem Controlling sowie der Beratung und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden, erfolgt indessen in 2,5 Jahren. Die Berufsschule findet in Helmstedt statt, die fachpraktischen Ausbildungsmodule werden an verschiedenen Avacon-Standorten vermittelt. Die dualen BWL-Studenten gehen in den Studienphasen an die Fachhochschulen Stendal (allgemeine Betriebswirtschaft) oder Hameln (Energiewirtschaft). Die Studiendauer beträgt in Hameln sechs und in Stendal sieben Semester.

Externe Hochschulabsolventen können sich für ein achtzehnmonatiges Traineeprogramm bewerben. Gesucht sind vor allem Bachelor und Master der Fachrichtungen Elektrotechnik, Versorgungstechnik, Energiesystemtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft (Schwerpunkt Controlling), Technische Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft. Kluge Studenten nehmen den ersten Kontakt schon während des Studiums auf. Ihnen bietet Avacon attraktiv vergütete Praktika an, die drei Monate umfassen und möglichst mit einer Praktikums-, Bachelor- oder Masterarbeit verbunden sein sollten. Avacon versteht halt etwas von Win-win-Situationen.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.03.2014)

Firmengründung: 2013 (zuvor E.ON Avacon AG – Gründung 1999).
Sitz der Unternehmenszentrale: Schillerstraße 3, 38350 Helmstedt.
Niederlassungen: 15 Niederlassungen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Mitarbeiter: 1.700 (davon 180 Auszubildende)
Umsatz: 1,6 Milliarden Euro.
Ausbildungsmöglichkeiten:

    • Elektroniker/-in für Betriebstechnik
    • Industriekaufmann/-frau

Duales Studium:

      • Bachelor of Arts in Betriebswirtschaftslehre
      • Bachelor of Engineering in Elektro- und Informationstechnik/Fachrichtung Energieversorgung
      • Bachelor of Science in Maschinenbau/Fachrichtung Energie- und Anlagensysteme

Bewerbungen: bis Dezember des Vorjahres.
Schülerpraktika: ja.
Hochschulabsolventen: Bedarf besteht an Absolventen der Fachrichtungen Elektrotechnik, Versorgungstechnik, Energiesystemtechnik, Wirtschaftsingenieurwesen, Betriebswirtschaft (Schwerpunkt Controlling), Technische Betriebswirtschaft und Rechtswissenschaft.
Kontaktmöglichkeiten:

        • Elektroniker für Betriebstechnik; Bachelor of Engineering Elektro- und Informationstechnik sowie Bachelor of Science in Maschinenbau: Cordula Oelkers, Tel.: 05102 – 7833247, Email: oelkers@avacon.de
        • Industriekaufleute und Bachelor für Betriebswirtschaft: Laura Eggers, Tel.: 05351 – 12334566, Email: eggers@avacon.de

Internet: www.avacon.de

 

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