Auslandsstudium – „go out – studieren weltweit!“

Von Hans-Martin Barthold | 15. November 2015

Universität von Los Angeles/USA (Foto:

Universität von Los Angeles/USA (Foto: Wikipedia/Downtowngal)

Für ein oder mehrere Semester, auch für ein Praktikum ins Ausland zu gehen, erweist sich noch immer als ein großer Schritt, der gut überlegt, vorbereitet und geplant werden will. Trotz noch mancher Hürden wagen ihn immer mehr deutsche Studenten. Mehr als 37 Prozent aller deutschen Studierenden gehen inzwischen für ein Studiensemester, ein Praktikum oder einen Sprachkurs ins Ausland. 2013 waren es erst 32 Prozent. Wer sich für tiefer gehende Informationen interessiert, sei auf die Mobilitätsstudie „Wissenschaft weltoffen 2015“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) sowie des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) verwiesen. Diese ist zu finden unter http://www.epo.de/index.php?option=com_content&view=article&id=11669:wissenschaft-weltoffen-2015-erstmals-ueber-300-000-auslaendische-studierende-in-deutschland&catid=62&Itemid=117.

Universität Stellenbosch/Südafrika (Foto: Universität Stellenbosch)

Universität Stellenbosch/Südafrika (Foto: Universität Stellenbosch)

An dieser Stelle seien nur die wichtigsten Daten genannt. 36 Prozent derer, die für Studium, Praktikum oder Sprachkurs ins Ausland gehen, sind Free Mover, organisieren also den Aufenthalt ganz ohne fremde Programm-Hilfe. 29 Prozent nutzen eines der zahlreichen Austauschprogramme, 35 Prozent wechseln im Rahmen eines ins Studium fest integrierten Auslandsaufenthaltes. Die Ergebnisse insgesamt können sich sehen lassen. Neun von zehn Studenten sind  mit ihrem Auslandsaufenthalt zufrieden, drei viertel sogar sehr zufrieden. Es lohnt also! Gleichwohl sollte man den Wert eines Auslandsaufenthaltes nicht überbewerten. Selbst in der deutschen Wissenschaftselite, das heißt unter den mit einem Nobel- oder Leibnitz-Preis ausgezeichneten Professoren, waren während ihres Studiums lediglich 23 Prozent im Ausland (Angela Graf: „Die Wissenschaftselite Deutschlands. Sozialprofil und Werdegänge zwischen 1945 und 2013“).

Ungeachtet dessen aber wird die Welt weiter zusammenwachsen. Auslandsaufenthalte werden in immer stärkerem Maße ihre Außergewöhnlichkeit verlieren und stattdessen zur Normalität werden. Darüber, was bei der Vorbereitung eines Auslandsaufenthaltes alles zu bedenken und zu entscheiden ist, sprach Hans-Martin Barthold mit Anne Münkel, Referentin im Referat „Informationen zum Studium im Ausland“ des Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Den Erlebnisbericht einer deutschen Studentin über drei Auslandsaufenthalte in Kanada, Norwegen und Südafrika finden sie hier.

 

Empfiehlt sich ein Auslandsstudium für alle Studienfachrichtungen und Hochschultypen (Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Duale Hochschule) gleichermaßen?

Anne Münkel/Deutscher Akademischer Austauschdienst (Foto: DAAD)

Anne Münkel/Deutscher Akademischer Austauschdienst (Foto: DAAD)

Münkel: Da gibt es eine klare Antwort: Auch wenn sich die Perspektiven von Hochschultyp zu Hochschultyp, von Studiengang zu Studiengang und von Student zu Student unterscheiden, empfiehlt sich ein Auslandsstudium für alle Studenten, gleich an welcher Hochschule sie studieren.

 

Worin liegen der fachliche und persönliche Mehrwert eines Auslandsstudiums?

Münkel: Fachlich liegt der Mehrwert einerseits in einer Verbesserung der Sprachkenntnisse. Man lernt andere Aspekte seines Studienfachs kennen, kann Kurse und Spezialisierungen wählen, die an der Heimathochschule nicht angeboten werden. Das alles wirkt sich förderlich für die Karriere nach dem Studium aus. Ein Auslandsstudium prägt allerdings auch persönlich. Man wird selbstbewusster, erwirbt interkulturelle Kompetenzen, erweitert seinen Freundeskreis. Wichtig finde ich auch, dass man sich während eines Auslandsstudiums selbst besser kennenlernt.

 

Welche Organisationsmöglichkeiten/-formen gibt es für ein Auslandsstudium und wie unterscheiden sich diese einzelnen Möglichkeiten und Programme voneinander?

Münkel: Als erstes möchte ich die sogenannten bi- und trinationalen Studiengänge nennen. In ihnen sind Auslandssemester curricular verankert. Man verbringt also ein oder mehrere Semester an einer oder mehreren ausländischen Hochschulen. Die Anerkennung der im Ausland erbrachten Studienleistungen ist hier unkompliziert, weil die Partnerhochschulen die Curricula gemeinsam erstellt haben. Teilweise ist es sogar möglich, einen Doppelabschluss zu erwerben, also einen Abschluss sowohl an der deutschen als auch an der ausländischen Hochschule (siehe dazu auch www.daad.de/doppelabschluss). Zum Teil werden die Studiengänge vom DAAD gefördert.

Philosophische und mathematische Fakultät der Universität Barcelona/Spanien (Foto: Universität Barcalona)

Philosophische und mathematische Fakultät der Universität Barcelona/Spanien (Foto: Universität Barcalona)

Darüber hinaus vergibt der DAAD auch für individuell organisierte Auslandsstudienaufenthalte Jahresstipendien für alle Fächer und alle Länder und weitere Stipendien. Die Anerkennung von Studien- und Prüfungsleistungen erfolgt nach Prüfung der Gleichwertigkeit individuell.

Für Aufenthalte in Europa gibt es das Programm „Erasmus+“. Hier werden die Stipendien direkt von der Heimathochschule vergeben. Gefördert werden sowohl Studienaufenthalte an Partnerhochschulen der eigenen Hochschule als auch Praktika.

 

Welchen Zeitraum sollte man für ein Auslandsstudium einplanen?

Münkel: Das hängt natürlich ganz von der persönlichen Studien- und auch Lebensplanung ab. Für ein gesamtes Studium im Ausland gibt es im Allgemeinen weniger Förderungsmöglichkeiten. Wem ein Semester oder ein Jahr zu lang sind, kann auch für kürzere Zeit ins Ausland gehen. Da bieten sich in den Semesterferien die sogenannten Summer Schools, aber auch ein Unternehmens- oder Forschungspraktikum an. Und natürlich bieten zahlreiche Hochschulen Sprachkurse an.

 

Wann empfiehlt sich bei einem zeitlich begrenzten Auslandsaufenthalt der Schritt an eine ausländische Hochschule (Bachelor-/Masterstudium; frühes oder spätes Semester; während Promotion; als Postdoc)?

Technische Universität New Delhi/Indien (Foto: Technische Universität New Delhi)

Technische Universität New Delhi/Indien (Foto: Technische Universität New Delhi)

Münkel: Ein Auslandsaufenthalt ist in allen Phasen des Studiums, also sowohl im Bachelor als auch im Master, auch während der Promotion und auch als Postdoc empfehlenswert. Studierende können sich für eine Förderung durch „Erasmus+“ bewerben, wenn sie das erste Studienjahr abgeschlossen haben. Bei der Bewerbung um ein DAAD-Stipendium müssen Bachelorstudierende zum Zeitpunkt der Bewerbung mindestens im zweiten Semester sein.

 

Von welchen Kriterien sollte man sich bei der Auswahl des Landes und der Hochschule leiten lassen?

Münkel: Fachlich wird ein Auslandsstudium dann besonders wertvoll, wenn das Zielland in meinem Fach zu den wissenschaftlichen Trendsettern gehört. Bei der Auswahl der Hochschule sollte man schauen, welche Vorlesungen und Seminare die jeweiligen Hochschulen anbieten. Finde ich dort Lehrveranstaltungen, die an meiner Heimathochschule nicht angeboten werden. Kann ich also mit den entsprechenden Lehrveranstaltungen meine fachlichen Kompetenzen erweitern?  Aber natürlich spielen auch persönliche Vorlieben für Sprachen und Kulturen eine Rolle. Habe ich persönliche Beziehungen zu dem jeweiligen Land? Will ich dort eventuell einmal beruflich tätig werden?

 

Ist es möglich und empfehlenswert, ein Auslandsstudium mit einem Praktikum zu verbinden?

Münkel: Ja, es ist möglich und auch empfehlenswert, ein Auslandsstudium mit einem Praktikum zu verbinden. Der DAAD bietet dafür beispielsweise das Stipendienprogramm „Kombinierte Studien- und Praxissemester im Ausland“ an.

 

Wie kann man ein Auslandsstudium finanzieren?

Hauptportal der Universität Warschau/Polen (Foto: Universität Warschau)

Hauptportal der Universität Warschau/Polen (Foto: Universität Warschau)

Münkel: Es gibt für Studienaufenthalte und Praktika im Ausland zahlreiche Förderungsmöglichkeiten. Auf www.auslandsstipendien.de sind alle Stipendien des DAAD zusammengestellt. Die Aufstellung enthält auch Informationen über die Bewerbungsvoraussetzungen, die Bewerbungsverfahren und Bewerbungsfristen. Das wichtigste Programm für einen Aufenthalt in einem europäischen Land ist das bereits mehrfach erwähnte Förderprogramm „Erasmus +“. Für kürzere Auslandsaufenthalte von bis zu einem halben Jahr Dauer bietet das DAAD-Programm „PROMOS“ eine gute Alternative. Mit Auslands-BAföG lassen sich Studienaufenthalte und Pflichtpraktika weltweit finanzieren – unter Umständen auch, wenn man die Bedingungen für Inlands-BAföG nicht erfüllt.

 

Wann sollte man mit den Planungen eines Auslandsstudiums beginnen?

Münkel: Abhängig von der Art und Dauer des Aufenthalts empfehlen wir vom DAAD für eine optimale Planung, möglichst eineinhalb Jahre vor Beginn des angestrebten Auslandsaufenthaltes mit den ersten Überlegungen zu beginnen.

 

Wie geht man bei der Planung eines Auslandsstudiums vor und welche Dinge müssen im Vorfeld sowohl an der Partnerhochschule als auch an der Heimathochschule und im persönlichen Bereich (Visum, Krankenversicherung etc.) unbedingt geklärt werden?

Münkel: Unter http://bit.ly/1Q0ZGKw hat der DAAD eine Checkliste zur Planung von Auslandaufenthalten zusammengestellt. Beginnen sollte man mit einer Recherche im Internet und einer Beratung beim Akademischen Auslandsamt oder International Office der eigenen Hochschule. Hier werden auch regelmäßig Informationsveranstaltungen angeboten. Sinnvoll ist es auch, mit auslandserfahrenen Kommilitonen zu sprechen, die Tipps und Anregungen geben können. Auf den Länderinformationsseiten des DAAD unter www.daad.de/laenderinformationen gibt es Erfahrungsberichte von deutschen Studierenden sowie Informationen zum Hochschul- und Bildungssystem und zu Stipendien.

 

Viele ehemalige Auslandsstudenten klagen über Schwierigkeiten bei der Anerkennung der im Ausland erbrachten Studien- wie Prüfungsleistungen und eine damit einhergehende Studienzeitverlängerung. Was empfiehlt der DAAD?

Juristische Fakultät der Universität Buenos Aires/Argentinien (Foto:

Juristische Fakultät der Universität Buenos Aires/Argentinien (Foto: Wikipedia/Patricio from Buenos Aires, Argentina)

Münkel: Die Studierenden sollten vor dem Auslandsaufenthalt die Beratung durch das Akademische Auslandsamt beziehungsweise das International Office nutzen. Die Mitarbeiter dort können die Studierenden dann auch an die zuständigen Austauschkoordinatoren in den Fachbereichen/Fakultäten weiterverweisen, mit denen die genaue fachliche Abstimmung und Zielsetzung des Auslandsaufenthalts besprochen werden kann. Weitere Informationen finden sich unter https://www.daad.de/ausland/studieren/bewerbung/de/64-anerkennung-von-leistungen-und-abschluessen/.

 

Wo finden Studenten Hilfe und Unterstützung bei der Planung für einen Auslandsstudienaufenthalt?

Münkel: Der erste Ansprechpartner ist das Akademische Auslandsamt beziehungsweise das International Office der Heimathochschule. Die Mitarbeiter informieren über die verschiedenen Arten von Auslandsaufenthalten, bieten Informationsveranstaltungen an und beraten zu Finanzierungsmöglichkeiten. Auf den Internetseiten des DAAD unter www.daad.de/ausland sind viele hilfreiche Tipps zur Planung und Durchführung von Auslandsaufenthalten zusammengestellt. Unter www.auslandsstipendien.de können Studierende DAAD-Stipendien finden und sich um diese bewerben.

 

Sind künftig Verbesserungen bei den Rahmenbedingungen für ein Auslandsstudium zu erwarten?

 Münkel: Die aktuelle DAAD/DSHW-Mobilitätsstudie hat ergeben, dass die Gesamtquote der Mobilität im Vergleich zu 2013 steigt und die auslandsmobilen Studierenden überwiegend zufrieden mit ihrem Auslandsaufenthalt sind. Der DAAD fördert beispielsweise die Internationalisierung von Studiengängen unter anderem in den Programmen „Integrierte internationale Studiengänge mit Doppelabschluss“ (daad.de/doppelabschluss) und „Bachelor Plus“ (daad.de/bachelorplus).

 

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