Apotheker – Vom Wirkstoff zum Medikament zur Apotheke

Von Petra Piper-Freisem und Hans-Martin Barthold

Salben und Cremes gehören noch immer zum Sortiment einer Apotheke (Foto: Petra Piper-Freisem)

Salben und Cremes gehören noch immer zum Sortiment einer Apotheke (Foto: Petra Piper-Freisem)

Bei nur wenigen Berufen scheinen die Grenzen zwischen Heilsbringer und Geschäftemacher so eng beieinander zu liegen wie beim Apotheker. Das jedenfalls ist, zwar abhängig vom jeweiligen Status persönlichen Betroffenseins, das Bild in der Öffentlichkeit. Unstrittig bleibt freilich die Erkenntnis, ohne intensive, nicht selten sogar extrem teure Pharmaforschung kein medizinischer Fortschritt, ohne leistungsfähige Apotheken keine medikamentöse Versorgungssicherheit.

So gelang der Novartis Pharma GmbH mit der Entwicklung des Präparats Fingolimod für die Behandlung von an Multiple Sklerose Erkrankten vor kurzem ein entscheidender Durchbruch. Fingolimod wird in Tablettenform verabreicht und besitzt darüber hinaus einen ganz neuen, effizienteren Wirkmechanismus. Bisher mussten alle MS-Medikamente gespritzt werden, immer verbunden mit der nicht zu unterschätzenden Gefahr von Entzündungen. Patienten jedenfalls genießen die durch Fingolimod deutlich verbesserte Lebensqualität. Und wer ist nicht froh, wenn am Wochenende die medikamentöse Therapie eines akuten Notfalls nicht bis zum Montag warten muss, weil die nächste diensthabende Apotheke das entsprechende Therapeutikum dann wie selbstverständlich sofort, oder doch wenigstens in kürzester Zeit bereitzustellen vermag.

Freilich gehört auch die Kehrseite zum veröffentlichten Bild dieses Berufes. So etwa, wenn multinationale Pharmakonzerne wie Novartis die weltweit besten Rechtsanwälte mit der Durchsetzung ihrer Patentansprüche in Drittweltländern beauftragen, zuletzt geschehen in Indien. Koste es, was es wolle – Geld, Glaubwürdigkeit, Renommee, und am Ende sogar den angestrebten Erfolg. Weil die Unternehmen meinen, Umsätze als auch Gewinne nur so noch sichern zu können? Zu Lasten der Ärmsten der Armen, wie die Kritiker behaupten. Oder wenn jüngst die Abgabepraxis von Zytostatika für den Einsatz in der ambulanten Chemotherapie ins Visier der Ermittler von Krankenkassen und Staatsanwaltschaften geraten. Wozu einige geschäftstüchtige Apotheker zwar offensichtlich noch legale, gleichwohl höchst anrüchige Firmenkonstruktionen schufen. Apotheker also in einer Reihe mit gierigen Bankern und gewissenlosen Hedgefondsmanagern? Das lässt schaudern.

Nur geringe unternehmerische Spielräume

Sabine Lux im Kundengespräch (Foto: Petra Piper-Freisem)

Sabine Lux im Kundengespräch (Foto: Petra Piper-Freisem)

Sabine Lux ist wie die Mehrzahl ihrer Kolleginnen und Kollegen von all dem weit entfernt. Sie besitzt keine Briefkastenfirma in Belgien, die ihr durch die Möglichkeit der Selbstbelieferung schnelle Gewinne bescherte. Und vom Patentstreit der großen Hersteller hat sie wie jeder Normalbürger auch nur aus der Presse erfahren. Die zierliche Frau betreibt eine öffentliche Apotheke in Calberlah, einem kleinen Ort zwischen Wolfsburg und Gifhorn. Eine Apotheke wie sie jeder aus Kindertagen kennt. Nein, Sabine Lux hat andere Sorgen. Ihre Kunden haben hohe Qualitätsansprüche, was Information und Beratung anlangt. Dem muss Sabine Lux gerecht werden. Ein großer Teil des Tages ist darüber hinaus ausgefüllt mit organisatorischen Tätigkeiten, die notwendig sind, einen Kleinbetrieb am Laufen zu halten: Bestellungen, Personaleinsatzplänen für ihre zwei in Teilzeit angestellten Apothekerinnen, vier Pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und einer Pharmazeutisch-kaufmännischen Angestellten, Abrechnungen, daneben natürlich die fachlich anspruchsvolle Beratung ihrer Kunden, nicht zu vergessen eine zeitlich aufwendige Weiterbildung. Dem fallen so manche Pause und auch das ein oder andere Wochenende zum Opfer.

Auf die fachkundige Beratung legt sie besonderen Wert. „Ich möchte mit meinem Wissen helfen, die Beschwerden kranker Menschen zu lindern oder zu beenden“, begründet sie. Schließlich führt nur eine hohe Zufriedenheit den Kunden wieder zurück in ihre Apotheke. Die zu erreichen, ist eine Kunst, die jeder Apotheker beherrschen sollte. „Denn“, erklärt Sabine Lux, „meine Kunden befinden sich stets in einer Ausnahmesituation. Schließlich schränkt jede Erkrankung die Lebensqualität ein, oft in erheblichem Maße.“ Soll heißen, nicht immer sind die Kunden gut drauf. Eine erfolgreiche Kundenbindung aber ist für viele Apotheken inzwischen (über)lebenswichtig. Denn unternehmerisch besitzen Sabine Lux und ihre Zunft traditionell nur einen geringen Spielraum.

Die Apothekenbetriebsordnung und andere Gesetze legen ihnen enge Zügel an. Da sind nicht nur die Anzahl der Räume einschließlich deren Größe und Sicherung vorgeschrieben, sondern muss die stete Anwesenheit eines approbierten Apothekers ebenso wie die Erreichbarkeit einer Apotheke in angemessener Entfernung sowie rund um die Uhr auch an Wochenenden und Feiertagen gewährleistet sein, gibt es Auflagen für das unbedingt vorzuhaltende Sortiment, werden Apothekern die Abgabepreise verschreibungspflichtiger Medikamente vorgegeben und ist ihnen jede Werbung untersagt. Die Hälfte der Apotheken weist einen jährlichen Umsatz zwischen 1,25 und 2 Millionen Euro aus, was notwendig ist, um unternehmerisch keine Verluste zu machen. Das beschreibt die ökonomischen Anforderungen, denen sich Apotheker mit einer öffentlichen Apotheke gewachsen zeigen müssen und auf das sie das naturwissenschaftlich ausgerichtete Pharmaziestudium nur ungenügend vorbereitet. „Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen“, blickt Sabine Lux zurück, „musste ich mir jedenfalls selber aneignen.“

Der Wettbewerb fordert erste Opfer

Krankenhausapotheke im Klinikum Gifhorn: Medikamentenlager (Foto: Petra Piper-Freisem)

Krankenhausapotheke im Klinikum Gifhorn: Medikamentenlager (Foto: Petra Piper-Freisem)

Ein positives Betriebsergebnis erreichen viele Apotheken nur noch unter äußersten Anstrengungen, einige offenkundig schon nicht mehr. Anders formuliert heißt das, nicht wenige Apotheken werden nach betriebswirtschaftlichen Maßstäben unrentabel betrieben. Die Gründe dafür sind vielfältig. Gesundheitspolitische Entscheidungen und der moderne Versandhandel machen den Apotheken und Apothekern in diesen Tagen schwer zu schaffen. Immer öfter ist auch von illegalen Importen gefälschter Arzneimittel zu hören.

Die Folgen davon lassen sich im Zahlenwerk der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ablesen. 184 Neueröffnungen standen zuletzt 501 Apotheken gegenüber, die von ihren Besitzern geschlossen wurden und vom Markt verschwanden. Schon seit 2009 schrumpft die Zahl der Apotheken, doch einen derart großen Negativsaldo wie im letzten Jahr gab es noch nicht. In der Szene heißt es, das Apothekensterben sei „on the way“ und diese Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen. Tatsächlich besitzt Deutschland mit 3.900 Einwohnern auf eine Apotheke eine hohe Betriebsdichte. In den Niederlanden versorgt eine Apotheke mehr als doppelt so viele Menschen. Nachdem das viele Jahrzehnte eherne Gesetz Ein Apotheker, (nur) eine Apotheke vor einigen Jahren gelockert wurde und ein Apotheker heute bis zu drei Filialapotheken betreiben darf, suchen viele ihr Heil in größeren Betriebseinheiten. Jede fünfte Apotheke in Niedersachsen ist bereits eine Filialapotheke.

Hohe staatliche Regelungsdichte

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Sabine Lux beim Anfertigen einer Rezeptur (Foto: Petra Piper-Freisem)

Sabine Lux beim Anfertigen einer Rezeptur (Foto: Petra Piper-Freisem)

Die beschäftigungsmäßigen Auswirkungen dieses Trends sind bislang nicht dramatisch. So wie Sabine Lux arbeiten vier von fünf der insgesamt 59.739 berufstätigen Apotheker in der Offizin, das heißt in den öffentlichen Apotheken. Und wie Sabine Lux sind es zu siebzig Prozent Frauen. Ein hoher Anteil davon arbeitet Teilzeit, aus Expertensicht die wichtigste Begründung für die nach wie vor große Elastizität dieses Teilarbeitsmarktes. Dass die Zahl der Apothekenleiter schneller sinkt als der der angestellten Apotheker, deutet auf Strukturverschiebungen. Aber keineswegs allein deswegen ist diese Entwicklung nicht zu unterschätzen. Zwar ist die Nachfrage stabil, denn Krankheiten richten sich bekanntlich nicht nach Konjunkturzyklen. Doch lässt ein Blick auf die Umsatzstruktur der Apotheken schnell deren extreme Anfälligkeit für jeden Eingriff in den Leistungsrahmen der Krankenversicherungen erkennen. Denn neunzig Prozent des Umsatzes entfallen auf Medikamente. Davon sind immerhin achtzig Prozent verschreibungspflichtig und weitere zehn Prozent apothekenpflichtig. Das einzig frei kalkulierbare Nebensortiment, spielt für den Gewinn von Apotheken nur eine unbedeutende Nebenrolle. Darüber hinaus ist der Schritt zur eigenen Apotheke nicht ganz preiswert. Für die Übernahme einer bereits bestehenden Apotheke sind ungefähr vierzig Prozent deren letzten Jahresumsatzes fällig.

Was früher ein auskömmliches apothekerisches Leben garantierte, schürt heute Ängste. Denn Apotheker sind Unternehmer mit gesetzlich beschränkter Gewinnmöglichkeit. Welches Medikament von den Ärzten verschrieben werden darf und in welcher Größenordnung, wie hoch der Apothekenabschlag ist und auf welchem Niveau der Apothekenabgabepreis festgesetzt wird, über all das entscheidet die Politik ganz ungeniert nach Kassenlage. Und die gibt wegen der unumkehrbaren demografischen Entwicklung wenig Anlass zum Optimismus. Schon jetzt sinken in der Gesetzlichen Krankenversicherung trotz gestiegener Erkrankungen die pro Patient verordneten Arzneimittel. Das Ergebnis fasste ABDA-Präsident Heinz-Günter Wolf vor kurzem resigniert in einem Satz zusammen. „Wir betreiben unsere Apotheken gegenwärtig zu den Kosten von heute und den Einnahmen von vor acht Jahren.“ Dennoch drängen immer mehr junge Pharmazeuten auf den Arbeitsmarkt, 2012 nicht weniger als 2.000. Und auch die Zahl der Studienanfänger steigt beständig. Insgesamt sind gegenwärtig  13.600 Studenten im Fach Pharmazie eingeschrieben. Nochmals gestiegen ist ebenfalls der Frauenanteil. Drei von vier Studenten sind inzwischen Studentinnen.

Als Arzneimittelexperte Partner des Arztes

Andrea Siegert - Müssen wir nachbestellen? (Foto: Petra Piper-Freisem)

Andrea Siegert – Müssen wir nachbestellen? (Foto: Petra Piper-Freisem)

Sie erwartet ein um zahlreiche arzneimittelrechtliche Themen ergänztes naturwissenschaftliches Studium mit sehr viel Chemie, einem steigenden Biologieanteil sowie den Grundlagen der pharmazeutischen Verfahrenstechnik. All das wird in einer hohen Zahl von Laborpraktika bewusst anwendungsorientiert vermittelt. Lehrveranstaltungen zu Themen aus der Physiologie, der Pharmakologie-Toxikologie als auch aus der Klinischen Chemie sollen die Kompetenzen des Apothekers für die pharmazeutisch-chemischen Aspekte der Gen-/Biotechnologie und besonders der Biopharmazie erweitern. Immerhin benötigen Ärzte die Hilfe des Apothekers besonders dann, wenn es um die Bewertung der Wirkungsweise eines Medikamentes am Patienten geht. Und dafür braucht es des unbedingten Wissens um die Wirkung chemischer Substanzen in vivo (im lebenden Organismus), die von der in vitro (im Reagenzglas) durchaus abweichen kann.

Mehr als bei Sabine Lux nimmt diese Aufgabe im Berufsalltag von Andrea Siegert einen breiten Raum ein. Weshalb sie die Beschäftigung in einer Krankenhausapotheke auch als die Königsdisziplin pharmazeutischer Berufsmöglichkeiten empfindet. Dieses Privileg genießen mit ihr in Deutschland noch rund 2.000 andere Krankenhausapotheker. Zwar hat die leitende Krankenhausapothekerin des Klinikums Gifhorn ebenso wie die Calberlaher Apothekerin zuallererst für eine kostengünstige Medikamentenbereitstellung zu sorgen. Doch geschieht das im Klinikum in engem fachlichen Austausch mit Ärzten und Pflegekräften. „Denn“, begründet Andrea Siegert, „das preisgünstigste Medikament ist keineswegs immer die wirtschaftlich beste Lösung. Nicht selten vermag ein teureres Medikament die Liegezeit zu verkürzen und  dadurch die Gesamtkosten einer medizinisch notwendigen Behandlung zu reduzieren.“ Von den segensreichen Wirkungen für die Patienten ganz zu schweigen.

 Immer weniger Eigenherstellungen

Sabine Lux - Immer wieder erklären und beraten (Foto: Petra Piper-Freisem)

Sabine Lux – Immer wieder erklären und beraten (Foto: Petra Piper-Freisem)

Zu den Patienten hat Andrea Siegert, die Personalverantwortung für zwei approbierte Apotheker in Teilzeit sowie weitere acht Mitarbeiter trägt, allerdings sehr viel seltener persönlichen Kontakt als Sabine Lux. Und häufig unterscheiden sich auch die Krankheitsbilder ihrer beider Kunden. Andrea Siegert trägt in vielen Fällen Verantwortung für die Medikation schwerstkranker Menschen. Dem mit höchster fachlicher Qualifikation zu entsprechen, ihren ärztlichen Gegenübern ein Gesprächspartner auf Augenhöhe zu sein, hat sie sich zu Beginn ihrer Krankenhauskarriere der Weiterbildung zur Fachapothekerin für Klinische Pharmazie, später zusätzlich noch der für Onkologische Pharmazie unterzogen. Aber noch in einem weiteren Bereich unterscheidet sich die Tätigkeit in einer Krankenhaus- von der in einer öffentlichen Apotheke. Während Sabine Lux im Durchschnitt täglich zwei bis drei Rezepturen in Eigenanfertigung herstellt, sind es bei Andrea Siegert rund zehntausend im Jahr. Notwendig wird dies, weil die für den Einzelfall erforderlich werdenden speziellen Therapeutika entweder auf dem Markt nicht erhältlich sind, oder weil deren Einkaufspreis über dem der Selbstherstellung liegt.

Worin Sabine Lux und Andrea Siegert wieder vereint sind ist die Tatsache, dass ihr Kontakt zum kranken Menschen nicht die Intensität des Arzt-Patienten-Verhältnisses erreicht. Dennoch gehören Tod und Sterben ganz natürlich auch zu ihrem Beruf. Durch das Studium darauf ausreichend vorbereitet fühlt sich keine der beiden Frauen. Diesen Fragen ausweichen aber kann und will weder die eine noch die andere. Menschen Schmerzen lindern zu helfen, Heilungsprozesse zu beschleunigen, zu einer ganzheitlichen Gesundung beizutragen, so lauten die Motive für ihre Studien- und Berufsentscheidung. Die haben beide Frauen selbst nach vielen Berufsjahren nicht bereut. Im Gegenteil empfinden sie eine tiefe Befriedigung in ihrer Berufsausübung. Auch zum Preis von tödlichen Niederlagen, dann wenn der Krebs trotz individuell und aufwendig zusammengestellter Chemotherapie das Leben und die Hoffnungen noch ganz junger Menschen unerfüllt lässt. Oder wenn die Entwicklung eines wirksamen Medikamentes für einen betroffenen Patienten einfach zu spät kommt.

Den Gesundungsprozess beschleunigen, Sterbenden die Würde bewahren

Armin Hoffmann (Foto: privat)

Armin Hoffmann (Foto: privat)

Die Entwicklungszeit neuer Medikamente zu beschleunigen, gehört zu den Aufgaben von Armin Hoffmann. In Monheim nahe Düsseldorf ist der promovierte Apotheker bei der Firma Aesica-Pharmaceuticals Bereichsleiter für Qualitätssicherung und Arzneimittelzulassung. In dieser Schnittstellenfunktion trägt er, wie es für Apotheker in fast allen Berufsbereichen typisch ist, Personalverantwortung für nahezu fünfzig Mitarbeiter. Aesica-Pharmaceuticals ist zwar kein forschender Arzneimittelhersteller, benötigt aber dennoch wie alle mit der Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb befassten Unternehmen eine staatliche Herstellungserlaubnis. Aesica-Pharmaceuticals bietet den Großen der Branche Dienstleistungen für Projekte in der Herstellung, Verpackung, Freigabe und Distribution an. Zu Patienten hat Hoffmann deshalb keinerlei direkten Kontakt. Sie stehen für ihn und sein Team anonym hinter den Projekten seiner Auftraggeber. Damit bestimmt das Patientenwohl dann aber auch sein Handeln. „Jedes Medikament ist für den Körper ein Xenobotikum, also ein Fremdstoff. Deshalb“, erklärt Hoffmann, „ist es unsere wichtigste Aufgabe, unerwünschte Nebenwirkungen so gering als irgend möglich zu halten.“

Wie Hoffmann arbeiten knapp zehn Prozent der Apotheker in der pharmazeutischen Industrie, die sich für Apotheker als einer der wenigen Berufsbereiche mit steigender Nachfrage präsentiert. Eine Promotion wird hier gerne gesehen. In den Apotheken erweitert sie die Handlungsfähigkeit von Apothekern indessen kaum und ist deshalb auch eher selten zu finden. Freilich sind die in der Industrie arbeitenden Apotheker weniger unmittelbar in der Forschung tätig, wo Chemiker dominieren, sondern sind sie vorrangig als Herstellungsleiter, mit Aufgaben der Qualitätssicherung und als Stufenplanbeauftragte beschäftigt. Für die Übertragung dieser Funktionen hat der Gesetzgeber bestimmte Qualifikationen vorgeschrieben, die von ihrer Ausbildung und ohne Zusatzqualifikationen nur Apotheker erfüllen. Pharmazeutischer Sachverstand wird darüber hinaus in der galenischen Entwicklung benötigt, in der es um die Darreichungsform des Medikamentes als Tablette, Zäpfchen, Emulsion oder anderes geht. Auch bei Fragen der Verpackung sowie in den Zulassungsabteilungen kommen die Unternehmen nicht ohne Apotheker aus. In der pharmazeutischen Verfahrenstechnik erwächst ihnen mit Pharmaingenieuren aktuell eine zunehmende Konkurrenz.

Entwicklungspotentiale finden und sichern

Reinraum der Krankenhausapotheke im Klinikum Gifhorn: Mischung eines Zytostatikums (Foto: Petra Piper-Freisem)

Reinraum der Krankenhausapotheke im Klinikum Gifhorn: Mischung eines Zytostatikums (Foto: Petra Piper-Freisem)

Während Sabine Lux und Andrea Siegert sehr bodenständig arbeiten, ist Armin Hoffmann beruflich viel unterwegs. Zahlreiche Pharmaunternehmen sind Global Player. Japan, die USA, Mexiko, Indien, China, überall war Hoffmann schon. „Fast die komplette Wirkstofffertigung findet mittlerweile außerhalb Europas statt“, skizziert er die wirtschaftlichen Veränderungen. Wer als Apotheker in der Industrie erfolgreich sein möchte, braucht deshalb neben besten Fachkenntnissen eine möglichst vielfältige fremdsprachliche Kompetenz, dazu die unbedingte Bereitschaft zu Kosten-Nutzen orientiertem Denken, schließlich Team- und Kompromissfähigkeit, vor allem aber einen weiten Blick und langen Atem. Denn der Wind der Veränderung bläst inzwischen auch den Pharmaunternehmen mitten ins Gesicht.

Der Forschungsaufwand werde immer größer, berichtet Hoffmann. „Von einer Million potentieller Wirkstoffe schafft es lediglich einer bis zur Marktreife.“ Freilich sind von der Patentanmeldung bis dahin nicht selten schon zehn Jahre vergangen. Der Patentschutz aber gilt nur zwanzig Jahre. Dann kann jeder Generikahersteller ohne aufwendige Ausgaben für eine eigene Forschungsabteilung auf die Rezeptur zurückgreifen. Seit kurzem müssen zudem alle neuen Medikamente eine sogenannte Nutzenbewertung durchlaufen, bei der die Krankenkassen als spätere Abnehmer das entscheidende Wort haben. Eine Aufforderung, in eine kostenintensive, gleichwohl ergebnisoffene Forschung zu investieren, scheint beides nicht. Und so ist der Berufsstand der Apotheker mit seiner mehr als 750jährigen Tradition, an deren Beginn das Edikt von Salerno durch Kaiser Friedrich den II. von Hohenstaufen stand, wohl nun selbst zum Patienten geworden. Die Suche nach einem wirksamen Medikament harrt in diesem Fall allerdings noch des Erfolgs.

 


Daten, Fakten & Links
(Stand: 31.05.2013)

Berufstätige Apotheker: 59.739 (Frauenanteil 68 %)
in öffentlichen Apotheken: 48.422 (Frauenanteil 70,2 %)

  • davon Apothekenleiter: 17.068 (Frauenanteil 46,2 %)

in Krankenhausapotheken: 2.034 (Frauenanteil: 65 %)
in Industrie, Verwaltung, Fachorganisationen, Wissenschaft: 9.283 (Frauenanteil 58,4 %)

  • Pharmazeutische Industrie: 5.079 (Frauenanteil 57,5 %)
  • Prüfinstitute: 280 (Frauenanteil 64,6 %)
  • Bundeswehr: 221 (Frauenanteil 32,1 %)
  • Behörden: 875 (Frauenanteil 61,1 %)
  • Hochschulen: 1.336 (Frauenanteil 54,4 %)
  • Berufsfachschulen: 490 (Frauenanteil 76,3 %)
  • Sonstiges: 1.002 (Frauenanteil 61,1 %)

Arbeitslose Apotheker: 870
Stellenangebote: 450
Gehalt angestellter Apotheker: 3.100 € bis 3.750 €
Pharmaziestudenten: 13.603

  • davon Studienanfänger: 3.580

Studienabsolventen pro Jahr: 1.950
Promotionen pro Jahr: 340
Öffentliche Apotheken: 20.921 (davon Filialapotheken: 3.853)

  • Niedersachsen: 2.041 (davon Filialapotheken: 380)

Informationen zum Berufsbild Apotheker:

Strukturdaten Studium und Arbeitsmarkt:
http://www.uni-due.de/isa/fg_humanmed/pharmazie/pharma_hs_frm.htm
Beschäftigungsstatistik:
unter: http://www.abda.de/zdf.html
Beschäftigungsmöglichkeiten von Apothekern aus EU-Mitgliedsländern sowie von deutschen Apothekern in EU-Mitgliedsländern: die Beschäftigungsmöglichkeiten werden durch die Richtlinie 2005/36/EG des Europäischen Parlaments und des Rates geregelt. (Einschränkung: Ausländische Apotheker dürfen keine neuen Apotheken gründen, sondern nur Apotheken übernehmen, die seit mindestens drei Jahren bestehen!)

 

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