Ambulante Krankenpflege Bettina Harms GmbH – Pflegen statt nur versorgen

Von Hans-Martin Barthold | 15. Februar 2017

Zuwendung schafft glückliche Gesichter (Foto: Bettina Harms GmbH)

Zuwendung schafft glückliche Gesichter (Foto: Bettina Harms GmbH)

Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst unaufhörlich. Im letzten Jahr waren es bereits 2,84 Millionen, davon 72 Prozent in ambulanter Pflege. Gestiegen ist auch die Zahl der ambulanten Pflegedienste, aktuell 12.745, und die Zahl der dort Beschäftigten, derzeit 320.100. Die Bettina Harms GmbH – Ambulante Krankenpflege ist einer dieser Dienste, zu finden in Hankensbüttel am Südrand der Lüneburger Heide. Vor zwanzig Jahren suchte die Gesundheits- und Krankenpflegerin Bettina Tews-Harms einen Weg, Pflege besser an den individuellen Bedürfnissen der Pflegebedürftigen ausrichten zu können. Im Krankenhausbetrieb, den sie seit vielen Jahren kannte, sind die Arbeitsabläufe normiert, egal ob der Patient Müller, Meyer oder Schulze heißt. „Ich war überzeugt“, sagt sie im Rückblick, „dass man Pflege besser organisieren kann.“ Das zu beweisen, wagte sie den Schritt in die Selbständigkeit. Heute beschäftigt sie an sechs Standorten etwa 300 Mitarbeiter, die über 700 pflegebedürftige Menschen betreuen.

Diese Zahlen können sich sehen lassen. Denn der ambulante Pflegesektor ist bislang vor allem durch viele kleine Unternehmen mit unter 20 Mitarbeitern und selten mehr als 100 Patienten geprägt. Umso bemerkenswerter der Erfolg von Bettina Tews-Harms. Schließlich kam zuletzt trotz einer wachsenden Nachfrage nach ambulanten Pflegedienstleistungen auf drei Neugründungen ein Betrieb, der aufgibt und sich vom Pflegemarkt wieder verabschiedet. Die Gründe dafür sind vielfältig. Eines aber scheint unbestritten. Betriebswirtschaftlich schwarze Zahlen zu schreiben, ist bei den monopolistischen Strukturen der gesetzlichen Pflegekassen und deren rigider Preisfindung gar nicht so einfach. Auch für Bettina Tews-Harms ist es eine stetige Herausforderung. Sie begegnet dem mit einem klaren Konzept. „Wir wollen pflegen und nicht nur versorgen“, bringt sie es auf den Punkt. „Deshalb ist die Arbeit in der Pflege vor allem eine Beziehungsarbeit.“ Bewerber für eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle sollten diese Ansicht teilen.

Hohe Mitarbeiterzufriedenheit

Ein Wagen aus der Harms-Flotte (Foto: hmb)

Ein Wagen aus der Harms-Flotte (Foto: hmb)

Angesichts der großen Entfernungen im Landkreis Gifhorn hat Bettina Tews-Harms ihren Pflegedienst konsequent dezentral organisiert. Insgesamt sechzehn Teams sind über sechs Standorte verteilt. Der Fuhrpark zählt dennoch über 100 Fahrzeuge, weswegen der Führerschein auch für alle Mitarbeiter zur „Grundausstattung“ gehört. Die Teams arbeiten weitgehend autonom, ihre Hierarchien sind flach. Jedem Team steht eine Pflegedienstleiterin/ein Pflegedienstleiter mit großen Entscheidungsbefugnissen vor. „Keiner weiß besser, wie man die Arbeit effizient organisiert, als diejenigen, die sie jeden Tag tun“, begründet Bettina Tews-Harms ihre Entscheidung. Die Zufriedenheitswerte von Patienten und Mitarbeitern geben ihr Recht. Die moderne Kommunikationstechnologie gewährleistet über alle Standorte hinweg eine enge Vernetzung der Mitarbeiter. Nur die Buchhaltung, die Personalabteilung und die Gehaltsabrechnung finden in der Zentrale in Hankensbüttel statt.

Pflege ist anders als in der öffentlichen Wahrnehmung ein vielfältiger Arbeitsbereich. Nur „satt und sauber“ hat für Pflegedienste, die wie der von Bettina Tews-Harms etwas auf sich halten, schon lange ausgedient. Bei der Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung Niedersachsen im Juli letzten Jahres erhielt ihr Pflegedienst mit einer 1,0 immerhin die Bestnote. Ziel moderner Pflege ist es, den Patienten trotz gesundheitlicher Einschränkungen so viel Lebensqualität wie irgend möglich zu verschaffen. Genau darauf hat Bettina Tews-Harms das Leistungsspektrum ihres Unternehmens ausgerichtet. Immerhin sind die körperlichen Gebrechen hilfsbedürftiger Menschen sehr unterschiedlich. Der Nachfrage folgend dominiert die klassische Akutpflege zu Hause. Dabei entfallen etwa 60 Prozent auf die Langzeit-, also Altenpflege. Zwei von fünf Patienten sind dagegen Menschen, die nach einem Krankenhausaufenthalt den Alltag noch nicht ohne fremde Unterstützung meistern können und Hilfe lediglich für einen begrenzten Zeitraum benötigen.

Ambulante Pflegefachkräfte sind Gäste ihrer Patienten

Bettina Tews-Harms (Foto: Bettina Harms GmbH)

Bettina Tews-Harms (Foto: Bettina Harms GmbH)

Für die Pflegefachkräfte gelten in der ambulanten Pflege einige Besonderheiten, die sich von den Arbeitsstrukturen in einer stationären Einrichtung deutlich unterscheiden. Das gilt auch für die Mitarbeiter von Bettina Tews-Harms. „Wir leisten unsere Arbeit in den häuslichen Strukturen unserer Patienten“, beschreibt sie die Situation, „wir sind deren Gäste, nicht umgekehrt.“ Anders formuliert, heißt das, Fachkräfte in der ambulanten Pflege müssen die Individualität ihrer Patienten in besonderer Weise respektieren und die Pflege entsprechend anpassen. Und das viele Male am Tag. Dazu bedarf es großer Empathie und viel Flexibilität, aber zugleich auch eines gesunden Selbstbewusstseins. Schließlich endet die Individualität dort, wo medizinische Standards unterschritten werden. Gespräche mit den Angehörigen fordern gerade hier oft die ganze Fachfrau. Doch sind das nicht die einzigen psychischen Belastungen, denen Pflegefachkräfte ausgesetzt sind. Bettina Tews-Harms weiß darum und verschafft deshalb allen Mitarbeitern über regelmäßige Supervision wichtige Entlastung.

Freilich trägt Bettina Tews-Harms auch Sorge dafür, dass alle Pflegemitarbeiter stets auf dem neuesten Stand der Pflegewissenschaften sind. Um fachlichen Austausch und lebenslanges Lernen macht man hier kein großes Aufheben. Man tut es – kontinuierlich und ganz selbstverständlich! Die medizinische Versorgung erfolgt gemäß der Expertenstandards des „Deutschen Netzwerks für Qualitätssicherung in der Pflege“. In der Langzeitpflege sind es vor allem folgende Punkte, auf die Fachkräfte ihre Aufmerksamkeit richten müssen. Das sind die Sturzprophylaxe, das Schmerzmanagement, der Umgang mit Harninkontinenz sowie die Wundversorgung. Die fachlichen psychischen Anforderungen steigen noch einmal in der außerklinischen Intensivpflege, ebenso in der Palliativpflege, zwei Dienstleistungen, die Bettina Tews-Harms ebenfalls anbietet. Ihr Pflegedienst ist anerkannter Partner im Gifhorner Palliativ- und Hospiz-Netz sowie in der Hospizarbeit Region Wolfsburg.

Vielfältige berufliche Einsatzmöglichkeiten

Pfleger ermuntern zur Autonomie (Foto: Bettina Harms GmbH)

Pfleger ermuntern zur Autonomie (Foto: Bettina Harms GmbH)

Bettina Tews-Harms und ihr Pflegedienst beschränken sich gleichwohl nicht nur auf den Bereich der Akutpflege, in der vor allem Gesundheits- und Krankenpfleger (siehe dazu auch unseren Beitrag „Ein Beruf fürs Leben“) sowie Altenpfleger tätig sind. Bettina Tews-Harms weiß, dass die Nöte älter werdender Menschen schon viel früher beginnen. Dann etwa, wenn der Partner verstorben ist, die Kinder nicht am Ort wohnen und das Einsamkeitsgefühl übermächtig zu werden droht. Die Tagesbetreuung für Senioren ist ein eher niederschwelliges Angebot. Im Mittelpunkt steht die soziale Kontaktpflege. Das Programm der Tagespflege ist im Vergleich dazu stärker strukturiert und erstreckt sich über den ganzen Tag. Betreuer nach § 87b SGB XI (mehr zu diesem Beruf unter: „Betreuer“), auch Alltagsbegleiter genannt, bieten von 8:00 bis 16:00 Uhr ihre Hilfe für das Lesen der Tageszeitung, für Spaziergänge, Gespräche über Vergangenes, dazu Gymnastik und Bewegungsübungen an. Frühstück, Mittagessen und Nachmittagskaffee runden den Service ab.

Manchmal aber geht auch nur die Arbeit im eigenen Haushalt nicht mehr wie gewünscht von der Hand. Den Schritt in eine Altenpflegeeinrichtung mag man jedoch noch nicht tun. Auch dafür bietet Bettina Tews-Harms Hilfe an und beschäftigt entsprechend qualifizierte Hauswirtschafterinnen. Nach den persönlichen Kundenwünschen wird ein individuelles Leistungspaket geschnürt. Das kann hauswirtschaftliche Tätigkeiten, die Erledigung von Einkäufen, die Begleitung zu Arzt- oder Behördenterminen, aber auch leichte Gartenarbeiten umfassen. Ein weiteres Angebot richtet sich an Senioren mit der Diagnose Demenz, wenn eine Pflege zu Hause nicht mehr geleistet werden kann, aber dennoch der Wunsch auf ein Leben in häuslicher Atmosphäre besteht. An den Standorten Gifhorn, Wesendorf und Wolfsburg betreibt Bettina Tews-Harms ambulant betreute Wohngemeinschaften. Speziell qualifizierte Altenpflegerinnen und –pfleger bieten als feste Bezugspersonen eine Betreuung rund um die Uhr an.

Persönlichkeit des Patienten achten

Fortbildung für die Helfer (Foto: Bettina Harms GmbH)

Fortbildung für die Helfer (Foto: Bettina Harms GmbH)

Wer, wie Bettina Tews-Harms, Pflege denkt, weiß freilich, dass nicht allein alte Menschen der Hilfe bedürfen. Es kann sogar bereits Kinder treffen. Und Bettina Tews-Harms wäre nicht Bettina Tews-Harms, wenn sie nicht auch hierfür Pflegehilfe anbieten würde. Im Mittelpunkt dieser Hilfen steht das Kind. Doch schließt sie zugleich stets eine Entlastung für die Familie mit ein. Eine enge Kooperation der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen mit den behandelnden Ärzten oder Krankenhäusern gewährleistet allerhöchste Professionalität. Bleibt ein Letztes. Pflege, gute Pflege, kostet Geld. Nicht alle Familien/Angehörige können oder wollen sich das leisten und setzen stattdessen auf Eigeninitiative. Doch Pflege will gelernt sein, auch die private. Wer möchte, kann bei Bettina Tews-Harms eigens dafür entwickelte Seminare und Pflegekurse besuchen. Kostenlos. Gewiss sind diese Seminare auch Marketinginstrument. Doch sind sie darüber hinaus vor allem Ausdruck ihres Berufsethos und ihres Pflegeverständnisses.

Noch etwas zeichnet Bettina Tews-Harms aus. Immer ist sie der pflegerischen Wirklichkeit gedanklich einen Schritt voraus! So denkt sie schon heute darüber nach, wie sich Pflegearbeit verändern wird, wenn ein steigender Teil der hilfebedürftigen Menschen über einen andersartigen kulturellen wie religiösen Hintergrund verfügt als die Mehrheit der bisher Pflegebedürftigen. „Oft wird von diesen Patienten und ihren Angehörigen eine Beschränkung auf die medizinischen Aspekte der Pflege gewünscht“, formuliert sie ihre Erfahrungen. Noch größere Sensibilität ist im Bereich der Palliativversorgung erforderlich. „Gerade am Lebensende weichen die Riten der einzelnen Kulturkreise stark voneinander ab.“ Bereits jetzt sind einige der 300 Mitarbeiter Muslima. Die Mitarbeiterstruktur sonst ist durch jeweils gleich große Anteile an Vollzeit-, Teilzeit und geringfügig Beschäftigten geprägt. „Dieser Personalmix gibt uns die erforderliche Flexibilität“, lässt Bettina Tews-Harms einen Blick ins Backend zu.

Berufsbereich mit Zukunft

Den Jüngsten Geborgenheit geben (Foto: Bettina Harms GmbH)

Den Jüngsten Geborgenheit geben (Foto: Bettina Harms GmbH)

In der Intensivpflege wie auch in den betreuten Wohngemeinschaften müssen Pflegedienste wie der von Bettina Tews-Harms eine 24-Stunden-Betreuung sicherstellen. Das ist nicht einfach. Schließlich werden auch Pflegefachkräfte einmal krank und fallen kurzfristig aus. Da bedarf es dann immer wieder der Kunst zur Improvisation auf der einen sowie großer Liebe zum Beruf und uneingeschränkter Leistungsbereitschaft auf der anderen Seite. „Die Lücke, die eine Teilzeitkraft reißt“, so die Erfahrungen Bettina Tews-Harms, „ist schneller zu schließen als wenn eine Vollzeitkraft ausfällt.“ Zur Sicherung des Fachkräftenachwuchses bildet Bettina Harms auch selbst aus. Pro Jahr stellt sie derzeit sechs neue Azubis für den Beruf der Altenpflegerin ein. Von den gegenwärtig insgesamt 18 Auszubildenden besitzt jeder Zweite bereits Arbeitserfahrung in anderen Berufen. Was die Bewerber mitbringen müssen? „Leidenschaft für eine pflegerische Tätigkeit“, komprimiert es Harms auf den Punkt genau.

Was die Bewerber erwartet? Zu allererst ein Job, der die ganze Fachkraft fordert, der ganz dicht am Menschen arbeitet, der ein unmittelbares Feedback garantiert, in dem kein Tag dem anderen gleicht. Dann ein Arbeitgeber, der behutsam an die Aufgaben eines Pflegeberufes heranführt. Zuletzt aber auch eine Tätigkeit, die interessante Möglichkeiten für die berufliche Entwicklung bietet. Etwa in der Qualitätssicherung, als Hygienebeauftragte, in der Weiterbildung, im Marketing, für die Beratung von Patienten und Angehörigen, mit Aufstiegsmöglichkeiten zur Team- oder Pflegedienstleiterin. Doch nicht nur das. Pflegeberufe, insbesondere die in der ambulanten Pflege, haben Konjunktur. Bis 2030, heißt es von den Experten, gäbe es eine 2,5 Millionen große Fachkräftelücke. Das liegt zum Einen an der demografischen Entwicklung. Dafür sorgt zum Anderen aber auch der Gesetzgeber. Mit dem zu Beginn des Jahres in Kraft getretenen Zweiten Pflegestärkungsgesetz will der die häusliche Pflege nachdrücklich fördern, für die mehr Fachkräfte als bei stationärer Pflege benötigt werden. Bettina Tews-Harms und ihre Mannschaft dürfte das freuen. Weniger, dass die soeben neu gegründete Pflegekammer Niedersachsen die Bürokratie weiter aufblähen wird.

 


Unternehmenssteckbrief
(Stand: 01.01.2017)

Firmengründung: 1994.

Sitz der Unternehmenszentrale: Molkereistraße 14, 29386 Hankensbüttel.

Niederlassungen: Brome, Gifhorn, Steinhorst, Wesendorf, Wittingen, Wolfsburg.

Mitarbeiter: 300.

Pflegefälle: ca. 700.

Stellenangebote unter: http://www.bettina-harms.de/online-bewerbung.html

Ausbildungsmöglichkeiten: Altenpfleger/-in.

Bewerbungen: Frau Katja Rothe, Tel.: 05832 – 979197

Schülerpraktika: ja.

Kontaktmöglichkeiten: http://www.bettina-harms.de/kontakt.html

Internet: www.bettina-harms.de

 

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